Ich koche mich glücklich


Kochen mit den Fünf Elementen nach der Traditionellen Chinesischen Medizin

von Petra Agni Lieske


Seit ich vor 22 Jahren meine ShenDo-Shiatsu-Ausbildung begann, begleiten mich die Fünf Elemente in meiner Arbeit und in meinem Alltag. Die Idee der alten Taoisten, alles in unserem Leben und das, was uns umgibt, in dieses System: das TAO DER WANDLUNG, einzuteilen und miteinander in Verbindung zu bringen, faszinierte mich von Anfang an.

Jahreszeiten, Altersstufen, Klimafaktoren, Organe, Körperstrukturen, Symptome, Emotionen, Ungleichgewichte, Vorlieben, Farben, Materialien, Gerüche, Geschmäcker, Nahrungsmittel… alles kann ich den Elementen zuordnen und in Relation bringen.

 

Als Physiotherapeutin war diese ganzheitliche Anschauungsweise eine riesige Bereicherung für mich. Mit meiner Berührung kann ich auch andere unterstützen und ausgleichen, kann Energie in Fluss halten oder harmonisieren. Bald gab ich nur noch ShenDo-Shiatsu,

verschiedene Massagen und Gesundheitssportkurse und ich begann, andere auszubilden. Es ist eine große Freude für mich, mit meiner Begeisterung zu inspirieren und zu beobachten, wie sich die Menschen durch die intensive Auseinandersetzung mit allen Aspekten des Lebens verändern und entwickeln, wenn wir in den Kursen alle Fünf Wandlungsphasen durchlaufen.

Eine große Baustelle jedoch blieb: meine eigene Ernährung! Jahrelang wollte ich nicht daran »arbeiten«, da mir das Kochen nach den Fünf Elementen und der Idee der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) zu aufwendig und eintönig erschien. Dreimal am Tag in der Küche stehen? Immer warm, »zerkocht« und ohne Biss? Kein Süßkram, nach dem ich süchtig war? Und das mit den kleinen Kindern, die dann nur mäkeln? Hatte ich keine Lust drauf… Ich hatte schon immer oft Bauchschmerzen und Blähungen, Allergien und extrem schwankende Kilos auf der Waage. Na und?

Natürlich wusste ich, dass ich da was machen kann… Vor 10 Jahren war ich dann endlich soweit.

2009 habe ich die Ernährung nach den Fünf Elementen in einem Seminar in Mecklenburg-Vorpommern an der Ostseeküste kennen und lieben gelernt. Das erste Mal nachdem ich Kinder bekommen hatte: alleine weg, bekocht werden, ausschlafen, spazieren gehen – das war mein Plan – die Schokoriegel selbstverständlich im Gepäck: wer weiß, was es dort gibt und ob ich auch satt werde.

 

Vieles war neu, wie zum Beispiel Kuzu oder Umeboshi, auch ungewohnt – morgens schon Suppe?

Oder es hat beim ersten Mal nicht immer geschmeckt: Pickles zum Frühstück… okay! Es war jedoch immer etwas super Leckeres für jeden dabei, die drei warmen Mahlzeiten waren sehr abwechslungsreich, jeden Tag gab es neue Kochmethoden und massenhaft Rezepte. Morgens, während wir Übungen machten, um fit in den Tag zu starten, wurde für uns das Frühstück zubereitet. Vormittags war Kochkurs, nach dem gemeinsamen Schlemmen gab es genug Zeit zum Relaxen. Nachmittags war täglich ein anderes der Fünf Elemente zum Erfahren und Entdecken, während das Abendessen für uns vorbereitet wurde.

Mit jedem Tag wurde ich früher von alleine wach, ging morgens Laufen, in der Nachmittagspause Radfahren, war abends länger fit und hatte keine Bauchschmerzen mehr nach dem Essen… Und mir war warm! Auch das war neu für mich. Mir ging es einfach blendend! Das war (und ist) anscheinend genau meine Wohlfühlernährung.

Die Idee, alle fünf Geschmäcker und Farben der Elemente in eine Mahlzeit zu bringen und Nahrungsmittel zu verwenden, die mir einfach nur guttun – was ich immer mehr spürte – war ein guter Anfang.

 

Als Kind mit Tiefkühlkost, Dosengemüse und Kartoffelbrei aus der Tüte aufgewachsen, kannte ich viele Getreidearten gar nicht, an so einige Gemüse musste ich mich erst sehr langsam gewöhnen. Die Schokolade fuhr übrigens unangetastet wieder mit nach Hause, denn ich fühlte mich die ganze Zeit satt und genährt. Und ich hatte tatsächlich bei drei ausgiebigen Mahlzeiten pro Tag – die ich Zuhause so gar nicht hatte – kein Gramm zugenommen. Nach fünf Tagen Urlaub brachte ich sonst immer 1-2 kg mehr auf die Waage. Neue Koch- und Schneidemethoden, Ideen für die Essensplanung, sprudelnde Energie, Begeisterung und viele neue Erkenntnisse auch über mich selbst, nahm ich dafür mit.

In der TCM geht man davon aus, dass unsere Mitte, unsere Verdauung, gestärkt werden soll, um alle Nährstoffe und die Energie, die wir uns durch unsere Mahlzeiten in den Körper holen, auch verwerten und umsetzen zu können. Kurz gesagt: Alles wird von unserer Milzenergie zu einer Art Suppe verarbeitet, die verdampfen kann. Dieser »Dampf« verbindet sich in der Lunge mit der Energie aus unserer Atmung und steht uns zur Verfügung, um aktiv, lebendig und gesund unseren Tag zu leben. Die Hitze, das Verdauungsfeuer, das wir brauchen, um diese Suppe im Kochtopf des Magens zu erwärmen, holen wir aus unseren Nieren, die auch unsere Lebensenergie gespeichert haben. Ist meine Nahrung aber sehr kalt (immer nur Salat) oder schwer aufzuspalten (wie z.B. Milchprodukte), liegt sie lange im Magen. Wenn ich darüber hinaus auch noch spät am Abend gegessen habe oder mein Essen kaum verwertbare Nährstoffe hat, weil vielleicht Fast Food oder Schokolade meine Favoriten sind, ist es für meine Milz sehr anstrengend und ermüdend, alles in Suppe zu verwandeln. Für diese immense Verdauungsarbeit braucht es mehr Nierenenergie. Die Folge: Ich werde träge, müde, verschleime oder bekomme Hautprobleme. Je wärmer und suppiger wir essen, desto leichter ist es für unsere Mitte, alles zu verdauen.

In dieser Ernährungslehre geht es nicht um Vitamine, Spurenelemente oder Kalorien, sondern darum, was ein Lebensmittel mit mir macht. Ist es erwärmend, abkühlend oder erhitzend? Ist es befeuchtend, verschleimend oder austrocknend? Macht es mich munter oder beruhigt es eher?

Wie lange bin ich satt nach einer Mahlzeit? Brauche ich mehr Getreide oder mehr Eiweiß und Fette?

Es geht viel um das eigene Spüren, nicht um Prinzipien.

Um die eigene Mitte zu stärken, kann man versuchen, sich so neutral wie möglich zu ernähren. Dazu braucht man keine ellenlangen Tabellen. Ein paar allgemeine Richtlinien können schon helfen, von denen die meisten altbekannt sind: Iss regional, saisonal, frisch, in bestmöglicher Qualität (Bio), iss regelmäßig (3-5 Stunden lang solltest du von einer Mahlzeit satt sein). Wenn nicht, fehlt etwas… meist Eiweiß oder gute Fette. Iss morgens wie ein König, mittags wie ein Edelmann, abends wie ein Bettler und möglichst nicht mehr nach 18 Uhr. Darin sind sich fast alle einig, die sich irgendwie mit »gesunder« Ernährung beschäftigen.

In der Fünf-Elemente-Küche kommt hinzu: Iss wenn möglich 3x am Tag warm (vor allem das Frühstück sollte gekocht sein, süß oder herzhaft), bring‘ alle fünf Farben in deine Mahlzeit: grün, rot, gelb, weiß, schwarz… und alle Geschmäcker: sauer, bitter, süß, scharf und salzig. Das geht am allerbesten mit viel Gemüse und abwechslungsreichen Kräutern und Gewürzen. Auch hier gibt es die 80/20-Regel: Wenn du dich zu 80% danach richtest, verträgt dein Körper 20% »Ausnahmen«. Nimm es also leicht, spiel‘ damit, experimentiere, aber kümmere dich um dich. Ohne das geht es nicht. Sei es dir selbst wert, dass es dir einfach nur gut geht!

 

Ich bin nach der ersten Euphorie immer wieder zurückgefallen in meine alten Gewohnheitsmuster. Vor zweieinhalb Jahren ging es mir ziemlich dreckig. Ich wusste zwar schon ganz viel und hatte auch schon mal mehr, mal weniger davon in meine Mahlzeiten integriert, fiel jedoch immer wieder in die alte Masche und meine Süchte zurück. Zwischendurch gab ich ganz auf. Ich hatte zugenommen, war oft krank, hatte Gelenkprobleme und Unverträglichkeiten entwickelt und kam kaum mehr aus dem Heulen raus. Und dann habe ich angefangen, mich um mich selbst zu kümmern, anstatt um alle anderen, was mir immer sehr leichtfiel. Ich habe endlich Verantwortung für mich selbst übernommen. Das war bis dahin immer eine große Herausforderung.

 

Vor zweieinhalb Jahren habe ich eine 5-tägige Reset-Kur (Suppen- und Gemüsetage) begonnen, um danach komplett auf Industriezucker, Weizen, Milch- und Fertigprodukte zu verzichten. Seitdem habe ich unheimlich viel gelernt, umgesetzt und erreicht. 2017 habe ich 17 kg ganz nebenbei losgelassen und seitdem mein vorher immer sehr schwankendes Gewicht gehalten. Ich bin stabil, viel gesünder, ausgeglichener und bewusster geworden. Es ist für mich jetzt vollkommen normal, dreimal am Tag warm zu essen. Ich liebe mittlerweile Hirsebrei und esse so viel Gemüse wie noch nie in meinem Leben. Vorratshaltung, Planung, Küchenorganisation, Partyausrichtung… läuft! Ab und zu verträgt mein Körper Ausnahmen, ich schaffe es jedoch immer wieder zurück zu »meiner« Ernährung.

 

Es ist so schön, zu spüren, was ich erreicht habe, und was jetzt einfach zu mir gehört. Und das mit Leichtigkeit und Genuss! Weil ich es mir wert bin! So extrem wie bei mir muss es ja gar nicht sein, auch wenn dieser Weg für mich der richtige war. Eine komplette Ernährungsumstellung dauert seine Zeit. Sei geduldig mit dir. Du kannst das auch sehr viel sanfter erreichen. Was nochmal? Leichtigkeit, Gesundheit, Fröhlichkeit, Zufriedenheit. Du wachst morgens frisch und erholt auf, startest aktiv in den neuen Tag, sorgst gut für dich, isst regelmäßig, frisch, regional und saisonal, hast eine Verdauung, die alles super umsetzt, kennst Allergien, Bauchschmerzen, Kältegefühl und Müdigkeit nach dem Essen, Blähungen und Co. nur von Erzählungen, bist abends rechtschaffen müde, schläfst gut ein und durch? Bestens! Wenn nicht, kannst du einiges davon mit einer für dich passenden Ernährung hervorragend in den Griff bekommen.

 

Frag‘ 100 Menschen nach Ernährungstipps und du bekommst 100 verschiedene Antworten. Meines Erachtens ist die wichtigste Meinung deine eigene. Das, was für deinen Mann oder deine Schwester super funktioniert, passt für dich noch lange nicht. Unsere Ernährung kann so individuell sein wie wir. Wenn du auf irgendetwas verzichtest, weil XY sagt, das sei gesund, wirst du dich nur eine gewisse Zeit danach richten, es für wen auch immer durchhalten. Dann wirst du wieder anfangen zu »sündigen« und dich zu ärgern, dass du es nicht »geschafft« hast. Du wirst dich aus Frust oder dem Gefühl: »Jetzt ist es ja auch schon egal«, auf die Schoki oder sonst was stürzen. Kenn‘ ich alles!!

 

Außerdem hat Essen sooo viel mit Gewohnheiten, Ritualen, Flüchten, Kompensationen, Glaubenssätzen und Liebesbeweisen zu tun. Da ist es nicht so leicht, mit Hauruck etwas zu verändern. Das geht nicht von heute auf morgen. Schritt für Schritt allerdings kannst du unheimlich viel erreichen! Das braucht Geduld, Selbstliebe, Wahrnehmung und gerne Unterstützung. Eine Initialzündung wäre auch nicht schlecht und einige Ideen, denen du folgen kannst? Bekommst du! Im Netz gibt es viele Gruppen, denen du dich anschließen kannst, es gibt Ernährungsberater, Kochkurse und, und, und…

 

Mittlerweile weiß ich genau, was ich vertrage und worauf ich lieber verzichte, damit es mir gut geht, so dass es gar kein Verzicht, sondern eine Bereicherung ist. 

Ich koche absolut gerne auch nur für mich selbst, gebe Kochkurse und Ernährungstipps. Worauf ich mich schon besonders freue? Bald heißt es wieder: Es wird gemeinsam gekocht, gerührt, geschnippelt und notiert, entdeckt, genossen und geschlemmt, gefühlt, bewegt, meditiert und geatmet. Mit viel Zeit, um bei mir anzukommen, in meinem Spüren, in meiner Begeisterung für leckeres, knackiges Essen, in der Natur und am Meer.

                                                                                 Petra Agni Lieske


Ich biete demnächst zusammen mit Nirgun Loh, einem erfahrenen Ernährungsberater nach der TCM, einen mehrtägigen Fünf-Elemente-Kochkurs an: vom 30. Oktober - 3. November 2019 im ShenDo-Haus in Stellshagen (Mecklenburg-Vorpommern an der Ostseeküste), ein Retreat  in einer kleinen Gruppe von ca. 4-8 Personen. Ansonsten gebe ich ShenDo-Shiatsu, Aromamassagen, Koch- und Naturkosmetikkurse sowie Gesundheitssportgruppen im Norden von Berlin.

 

Kontakt: petra-shendo@web.de

                www.shendo-shiatsu-institut.de